Montag, 12. März 2018

Rapunzel

Schon immer mochte ich Disney-Filme und wie wohl jedes Mädchen träumte ich davon eine Prinzessin zu werden. 
Bei meiner Liebe hat mich keiner dieser Filme so sehr und nachhaltig bewegt wie der 2010 erschienene Film Rapunzel neu verföhnt. Rapunzel mochte ich sogar noch mehr als Pocahontas, die bis dahin die Disney-Prinzessin war, mit der ich mich am meisten identifizieren konnte. Doch woran liegt diese Faszination, die immer noch anhält? 

Jede Figur braucht, damit eine Geschichte entsteht und funktioniert, eine Motivation. Das habe ich beim Schreiben gelernt. Und auch wenn wir Menschen etwa komplizierter gestrickt sind als so eine Filmfigur, haben wir Ziele und Träume, die uns antreiben und unsere (Lebens-)Motivation ausmachen. 
Seit ich denken kann, war mein größter Wunsch, nach Texas zu fahren. Das schreib ich bei dieser Frage stehts in das passende Kästchen (oder ließ es zunächst schreiben). Nichts habe ich mir mehr gewünscht und ich hätte alles dafür getan, dass dieser Wunsch wahr wird.
Als er wahr wurde, war ich 12 und weinte vor Glück, während sich der kleine Flieger im Landeanflug über Austin befand. Die folgenden Tage waren wie ein Traum, nur dass sie Realität waren und so verhielt es sich bisher mit jedem Besuch in meiner fernen Heimat. 
Und da liegt auch die tiefe Verbindung, die ich zu Rapunzel empfinde. In dem Film geht es um (und ich zitiere her aus dem Disney-Wiki) "Rapunzel (..) ein 18-jähriges Mädchen, das davon träumt, einmal die Himmelslaternen in der Nähe zu sehen, doch (...) Sie muss lebenslänglich in ihrem Turm bleiben."
Eigentlich bringt es das schon ziemlich gut auf den Punkt, doch ich möchte die Parallelen hier noch einmal deutlich zeigen:
Rapunzels Erinnerungen beginnen gefangen im Turm, denn als Baby im Schoss war sie noch zu klein, um sich daran erinnern zu können. Meine Erinnerungen beginnen in Deutschland und Texas kannte ich lange nur von Geschichten und Fotos. Doch weil man sich immer wünscht, was man nicht haben kann (vor allem, wenn man mit der Grundsituation unglücklich ist), träumt Rapunzel davon, den Turm zu verlassen, um die Laternen zu sehen (und ihr Leben beginnen zu lassen, wie es im ersten Lied heißt). Als ich das erste Mal nach Texas fragte, wurde mir nur erklärt, wie teuer und lang der Flug dahin wäre und dass ich ja nicht mal englisch könne. Mir wurde die Unmöglichkeit dieses Traumes mehrfach vor Augen gehalten. Ein wahrer Traum verschwindet aber nicht durch seine Unmöglichkeit. Man  lernt nur Geduld, aber die Hoffnung bleibt und wenn sich eine Möglichkeit bietet, nimmt man diese war. So war es bei Rapunzel und bei mir. 
Ich glaube, der Vergleich ist damit weit genug ausgeführt und ich habe deutlich gemacht, wo die Zusammenhänge liegen. Das Gefühl, einen Traum zu haben und alles dafür tun zu wollen, auch wenn es mit Widrigkeiten verbunden ist, ist eins, dass ich schon mein Leben lang kenne. Und gerade dieses Gefühl ist das Grundkonzept des Films.

Und jetzt sitze ich hier und höre den Soundtrack des Films auf Youtube in Dauerschleife, während ich schreibe. Über meinem Bett hängen Andenken an meinen Traum und seine Erfüllung. Auch wenn ich gerade recht melancholisch eingestellt bin, weiß ich, dass das vorbei gehen wird - spätestens bei der nächsten Texas-Reise.

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