Dienstag, 7. November 2017

Das Heute annehmen

Heute ist Dienstag. Es war kein guter Tag.
Abends im Bett sortiere ich alles nochmal und versuche, ein Fazit zu ziehen. Es ist kein gutes.
Mit dem Wort schlecht tue ich mich sehr schwer. Es ging mir schon mal schlecht und ich habe das Gefühl nicht vergessen und setzte seit damals alles in einen gewissen Vergleich dazu. Damit war das heute nicht anehrend vergleichbar und damit war es nicht schlecht, aber eben auch nicht gut.
Anderseits vermag ich gerade nicht zu sagen, wann es zum letzten Mal wirklich gut war. Es, das ist mein Leben und wie ich damit umgehe.
Doch ich habe entschieden, mich nicht zu grämen, das habe ich heute weiß Gott schon genug getan. Stattdessen will ich, wie ich in der Therapie gelernt habe, das heute annehmen, denn ändern kann ich es eh nicht mehr. Morgen ist ein neuer Tag, den ich jetzt schon fürchte.

Heute hatte gerade in der Uni im Seminar eine Reizüberflutung. Die Welt wurde nach und nach zu viel und ich konnte die Reize nicht mehr manuell filtern. Sie strömten einfach auf mich ein und ich versank in dem Strudel aus Informationen, bis ich mich nicht mehr bewegen konnte. Ich saß einfach nur da, auf meinem Stuhl, zwischen den Kommilitonen und nahm gleichzeitig alles und nichts war. Ich sah mir selbst beim zittern zu, ohne was daran ändern zu können. Sprechen oder eine simple Bewegung erscheinen unmöglich. Und so starrte ich auf die Türklinke, die mir gegenüber war, und wartet. Ich stellte mir vor, dass die Reize Nadeln wäre, die sich in mich bohren und das es, wenn ich nur still halte und mich konzentriere, schneller vorbei wäre. Doch es ging nicht vorbei. Also sammelte ich meine Kraft und setzte meine eigene Nadel. Ich sagte der Dozenten, dass ich krank sei und verließ fluchtartig den Raum. Kaum draußen begann ich zu weinen. Einfach so. Ich wollte nur heim, in einen Rückzugsort. Doch der Weg war weit und als mich an der ersten Kreuzig fast ein Fahrrad umfuhr gestand ich mir ein, dass es unmöglich war. Also ging ich zurück in die Uni und versteckte mich im FSR-Raum über eine Stunde mit Kopfhörern, beruhigender Musik und geschlossenen Augen eingerollt unter meiner Jacke, bis ich mich wieder etwas mehr wie ich selbst fühlte. Der Heimweg war dann zwar immer noch schwer, aber zumindest nicht mehr unmöglich.

Seit dem Umzug in eine neue Stadt hatte ich mit diesem Tag gerechnet, doch als er ausblieb, dachte ich, dass er nicht mehr käme. Und so hat er mich letztendlich doch überrascht. Mist!

Nach ein paar Stunden im Bett fühle ich mich wieder ok. Die Nachwirkungen von heute und die Angst vor einer Wiederholung werden mich wohl noch eine Weile begleiten. Es bleibt das große Warum. Warum heute? Warum jetzt? Warum ich? Doch die Antworten werden Zeit brauchen, wenn sie überhaupt auftauchen. Und damit komme ich klar. 
Meine Gedanken wandern weiter zum Morgen, ein neuer Versuch, und langsam weicht die Angst der Hoffnung, dass es gut werden könnte. 

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